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21.02.2018

Lauter Arschlöcher? Warum es in Erfolgsteams menschlicher zugeht

Übererfüllung als Leistungsziel, knallharte Ansprache von Fehlverhalten vor der ganzen Gruppe oder auch die Maxime »No Babysitting« – sprich, keiner ergreift für den anderen Partei, sondern spricht nur für sich selbst – die Wesenszüge eines sogenannten Hochleistungsteams klingen wenig freudvoll. Ein Kuschelkurs sieht anders aus. Geht Erfolg nur, wenn der Spaß zu Hause bleibt? Musst du, wenn du High Performance willst, ein Eisblock sein?

Probleme auf den Teppich
Ja, es stimmt: Hochleistungsteams sind auf Leistung gepolt. Und, ja, das gemeinsame Ziel ist allen Teammitgliedern so wichtig, dass Zeitfresser und Low Performer gnadenlos abgestraft werden. Niemand lächelt Probleme weg – nur, um den Frieden nicht zu gefährden. Und dennoch: »Laut Studien ist die Burnout Quote in Hochleistungsteams niedriger als in anderen Teamformen«, so Stefan Lammers, Executive Coach aus Düsseldorf. »Ganz einfach, weil hier niemand etwas in sich hinein frisst. Probleme werden direkt auf inhaltlicher und auf Beziehungsebene angesprochen und geklärt. Das heißt es gibt keine offenen oder versteckten – vor allem keine ungeklärten Themen.» Das Grundprinzip von Hochleistungsteams ist die gegenseitige soziale Unterstützung und dazu gehört Respekt und Wertschätzung. »Es geht nicht darum, Kollegen abzustrafen, sondern darum, den Weg für gemeinsames Leisten freizumachen«, so Lammers.

Dicke Eier – ohne Machtgelüste
Hochleistungsteams haftet der Vorwurf an, dass so etwas wie Rücksichtnahme keinen Platz hat. »Im Gegenteil«, widerspricht Stefan Lammers. »Meine Erfahrung ist, dass in "normalen" Teams oft Einzelpersonen mit antisozialem Verhalten viel leichteres Spiel haben, auf andere Macht auszuüben oder destruktiv zu wirken.« Der Grund: Es gibt kein wirksames Regulativ. Wenn Einzelleistung das Maß der Dinge ist, wenn das Ziel verordnet und der Projektfortschritt hierarchisch gesteuert wird, dann gibt es keine Instanz, die unsoziales Verhalten, Machtspielchen oder Ego-Trips abstraft. »Wenn hier Spaß entsteht, dann oft auf Kosten anderer«, so Lammers. Damit sei es ein Leichtes, die Arbeitsatmosphäre nachhaltig zu vergiften. »Das gelingt einer einzelnen Person im Hochleistungsteam nicht, da sie den Gesamterfolg sofort gefährden würde. Und das lässt das Team nicht zu«, ist Lammers überzeugt. »Es geht nie darum, "dicke Eier" im Generellen zu haben, sondern "dicke Eier" zu haben, um Missstände und Fehlverhalten – übrigens auch des Vorgesetzten – direkt anzusprechen und daraus etwas Neues, Besseres zu machen.«

Für viele Menschen sei es jedoch gar nicht so einfach, direktes Feedback zu geben, weil ihnen dabei ein übergroßer Harmonietrieb im Weg stünde. »Im Hochleistungsteam brauche ich vor direktem Feedback keine Angst zu haben, da so etwas wie Verbesserungskritik schon fester Bestandteil der Kultur ist«, beschreibt Lammers die Situation. Es ginge so viel leichter, Dinge offen anzusprechen. »Spielchen hat in solchen Teams einfach niemand nötig«, so der Coach.

Euphorie durch Leistung
Der gemeinsame Leistungswille sei laut Lammers der springende Punkt. »Wenn du hinter dem Ziel stehst, dann stiftet das Arbeiten an diesem Ziel unmittelbar Sinn. Und jeder gemeinsame Erfolg ist Grund zur Freude«, so der Coach. Niemand wolle Spaß vermeiden. »Doch die Freude an der Team Performance ist eine andere Freude als das oberflächliche Spaß-Geplänkel in hierarchiegetriebenen Teams, das oft nur dazu dient, sich von der empfundenen Arbeitsplage abzulenken.«

Quelle: t3n — digital pioneers